Wissenswertes zum Thema Morbus Menière

Was ist ein Morbus Menière?
Der Name Morbus Menière geht auf den Arzt Menière (Paris, 1799-1862) zurück. Er beschrieb als Erster das Krankheitsbild, dass aus den drei folgenden Symptomen besteht:

  • Drehschwindel
  • Ohrgeräusche (=Tinnitus)
  • Hörminderung

Der plötzlich auftretende Drehschwindel tritt ohne erkennbaren Grund zu jeder Tages- und Nachtzeit auf. Er dauert in der Regel meist wenige Minuten bis zu einigen Stunden. Der Schwindelanfall setzt den Patienten in jeder Hinsicht „außer Gefecht", d.h. die Schwindelgefühle nehmen den Patienten so mit, dass er nur noch erbricht und nicht mehr stehen, geschweige denn gehen kann.
Zusätzlich besteht ein Hörverlust, der sich anfangs wieder bessert. Vom Hörverlust sind besonders die tiefen Töne betroffen. Ohrgeräusche sind auch charakteristisch.


Merke: Der Morbus Meniere kann immer wieder auftreten, jederzeit und ohne Grund.


Während des Anfalls kommt es zu einer heftigen Übelkeit, Erbrechen und Zittern der Augäpfel (=Nystagmus).


Merke: Die akuten Anfälle rufen bei den Betroffenen massive Angstzustände hervor.

 

Wann ist die Diagnose Morbus Menière gesichert?
Die Diagnose Menière wird vom Nicht-Spezialisten viel zu häufig gestellt. Als Standard hat sich heute die folgende Definition bewährt:

  • mindestens zwei spontane Anfälle von Drehschwindel
  • der einzelne Anfall dauert mindestens 20 Minuten
  • im Hörtest ein Hörverlust
  • ein Ohrgeräusch (=Tinnitus)
  • und/oder ein „Völlegefühl" im Ohr
  • Ausschluss anderer Erkrankungen des Gleichgewichtssystems

 

Merke: Von einem Morbus Menière spricht man, wenn andere auslösende Ursachen (z.B. Ohroperationen, Virusinfekte wie Masern, Mumps und Syphilis ursächlich ausgeschlossen sind.

 

Wie entsteht ein Morbus Menière ?
Die genaue Ursache des Morbus Menière ist noch nicht völlig geklärt. Was sicher ist: Die Krankheit entsteht im Innenohr, wo es zu einer vermehrten Ansammlung (=Hydrops) von Innenohrflüssigkeit (=Endolymphe) kommt.
Durch die zunehmende Endolymphe kommt es zu Druckschäden im Bereich des Hör- und Gleichgewichtsorgans, insbesondere reißen die Membranen im Innenohr ein. Sobald der Druck durch Reparaturvorgänge im Innenohr nachlässt, bessern sich auch die akuten menièreschen Beschwerden.

 

Welche Ursachen finden sich bei einem Morbus Menière ?
Der Morbus Menière tritt bei 0,2% der Bundesbürger auf, besonders in der Altersphase zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Ein Morbus Menière bei Kindern ist ein sehr seltenes Ereignis.


Merke: Auf Grund mangelnder Information gehen jedoch 2% der Bundesbürger davon aus, an einem Morbus Menière erkrankt zu sein.

 

Bei vielen Betroffenen gibt es eine positive Familienanamnese, d.h. überdurchschnittlich viele Mitglieder in der Familie sind von der Krankheit betroffen. Eine genetische Komponente wird vermutet. Ursächliche Faktoren sind:

  • Entzündungen der Gehörschnecke
  • Schädelverletzungen
  • Autoimmunreaktion, d.h. der Körper erkennt die Zellen des Innenohres als „fremd" und zerstört sie

 

Begünstigende Faktoren sind:

  • Stress
  • Übermüdung
  • Virusinfekte
  • Allergien
  • Rauchen
  • Alkoholmissbrauch
  • Aspirin

 

Wie verläuft der Morbus Menière?
Die Menière treten meist ohne Vorwarnung und für die Patienten völlig unerwartet auf. Zu Beginn häufig mit bis zu 10 Anfällen pro Jahr. Im Verlauf der Krankheit nimmt die Anzahl der einzelnen Attacken ab. Es gibt auch Phasen, in denen Anfälle fehlen und eine völlige Beschwerdefreiheit vorliegt. Diese Zeiten können Monate oder Jahre betragen.

Zwischen den einzelnen Menière-Anfällen klagen die Betroffenen häufig über einen Tinnitus, ein Unsicherheitsgefühl, einen leichten Schwindel und eine Hörminderung. In den meisten Fällen verschwinden die Schwindelattacken irgendwann völlig. Es werden auch werden Stürze (="drop attacks") beobachtet, bei denen die Betroffenen nicht das Bewusstsein verlieren.
Merke: Der Verlauf der Krankheit ist wechselhaft und nicht vorhersagbar.
Der Verlauf des Morbus Menière ist völlig unberechenbar, jedoch als Ganzes recht günstig.

 

Eine individuelle Prognose ist unmöglich. Einige allgemeine Aussagen sind dennoch möglich, wobei diese jedoch nicht auf den Einzelfall übertragbar sind:

  • in 30 Prozent der Fälle ist auch das zweite Innenohr betroffen
  • in 80 Prozent der Fälle geht der Schwindel innerhalb von 10 Jahren zurück
  • der Hörverlust bleibt bestehen
  • das Gleichgewichtsorgan ist in der Regel funktionsunfähig
  • sehr selten führt die Erkrankung zur Taubheit

 

 

Merke: Der Morbus Menière ist für die meisten Betroffenen gut behandelbar, sodass sie ein weitgehend normales Leben führen können.

 

Eine Ausnahme bilden lediglich Tätigkeiten im Beruf oder Privatleben, die besondere Anforderung an das Gleichgewichtsorgan stellen (z.B. Dachdecker, Busfahrer, Fallschirmspringer, Hobby- und Berufspiloten etc.). Sie sind für die Betroffenen auf Dauer verboten.

 

Welche Untersuchungen sind erforderlich?
Am Beginn der Krankheit ist ein Morbus Menière nicht immer sicher zu diagnostizieren. Aus diesem Grund ist die genaue Beschreibung der Beschwerden durch die Betroffenen so wichtig.


Merke: Die Diagnose Morbus Menière muss durch den HNO- Arzt gestellt werden. Nur dieser verfügt über die technischen Möglichkeiten zur Diagnosestellung.

 

Die HNO-ärztliche Untersuchung umfasst das Ohr- und Gleichgewichtsorgan.

  • Hörtest
  • Gleichgewichtstest
  • Hirnstammaudiometrie (BERA)
  • Computer- bzw. Kernspintomografie (CT/ MRT)

 

 

Wie wird der akute Anfall behandelt?
Bei einer akuten Menière-Attacke sollte der Betroffene sich hinlegen, bis der Drehschwindel abgeklungen ist. Medikamente, sogenannte Antiemetika (z.B. Vomex A Zäpfchen, Sulpirid) helfen gegen das Erbrechen und den Drehschwindel. Der Anfall kann durch ein Diuretikum (= Arznei, die die Ausscheidung von Wasser fördert) abgekürzt werden. Die Arzneien können als Tropfen, Zäpfchen oder bei starkem Erbrechen, als Infusion verabreicht werden. Bei starken Angstzuständen empfiehlt sich ein Beruhigungsmittel (z.B. Valium).

 

Merke: Eine akute Menière-Attacke hört auch ohne Medikamente auf. Die Medikamente lindern lediglich die Beschwerden.

 

Ein Kranker sollte immer und zu jeder Zeit auf eine akute Menière-Attacke vorbereitet sein. Zäpfchen und Tabletten müssen in Griffnähe liegen, ebenso ein Speibeutel. Sehr sinnvoll ist die "Menière - Hilfekarte". Die Karte wird im akuten Anfall Ersthelfern gezeigt. Auf ihr steht, dass der Betroffene unter Morbus Menière leidet und nicht betrunken ist. Eine Bezugsadresse ist die Selbsthilfegruppe KIMM e.V. zu beziehen (http://www.kimm-ev.de) oder die Deutsche Tinnitus-Liga (http://www.tinnitus-liga.de).

 

Wie werden die Morbus Meniere-Anfälle verhindert?
Die entscheidende Maßnahme bei der Behandlung des Morbus Menière ist die Prophylaxe von Anfällen. Auslösende Faktoren und bekannte Trigger müssen konsequent gemieden werden:

  • Stress
  • Übermüdung
  • Rauchen
  • Alkoholmissbrauch
  • Schokolade
  • Chili
  • Kaffee
  • Reduktion von Kochsalz

Notwendigkeit möglicher auslösender Medikamente überprüfen

  • Blutdrucksenker
  • Antihistaminika
  • Psychopharmaka

 

 

Wie wirkt das Betahistin beim Morbus Meniere?
Die Häufigkeit und die Schwere der Drehschwindelattacken lassen sich mit Betahistin häufig erfolgreich behandeln. Zur Vorbeugung wird deshalb eine Behandlung über zwölf Monate empfohlen.
Sollte Betahistin alleine nicht ausreichend wirken, so werden unterstützend wassertreibende Medikamente (=Diuretika, z.B. Triamteren/Hydrochlorothiazid) verordnet.

 

Merke: Für das Betahistidin/ Diuretika gibt es bisher keine Studien, die auf eine sichere Wirkung schließen lassen.

 

Betahistin hat nach bisherigem Wissen auch keine wesentlichen Nebenwirkungen, sodass es in jedem Fall einen Versuch wert ist.

Gibt es medikamentöse Alternativen zum Betahistin?

Zur Behandlung des Morbus Menière stehen wirkungsvolle Arzneien zur Verfügung, sofern Betahistin, als das Mittel der ersten Wahl nicht wirkt.

 

An erster Stelle muss die Kombination der Medikamente Cinnarizin und Dimenhydrinat (z.B. Arlevert®) genannt werden. Die therapeutischen Ergebnisse sind ähnlich denen des Betahistins.

 

Eine weitere medikamentöse Alternative ist die Wirksubstanz Sulpirid (z.B. Sulpivert®). Beim Sulpirid handelt es sich um ein Psychopharmaka (=Neuroleptikum). Neben der Prophylaxe des akuten Anfalls hat es auch eine gering antidepressive Wirkung, die gerade beim chronischen Menière therapeutisch genutzt werden kann. Es handelt sich wegen vieler Nebenwirkungen für ein, in der Behandlung des Menière, nachgeordneten Arzneimittels. Vorsicht ist geboten bei Herzerkrankungen, einem erhöhten Blutdruck und bei Frauen vor dem Klimakterium.
In Einzelfällen waren auch die unten aufgeführten Substanzen zur Anfallsprophylaxe wirksam:

  • Ginkgo-Präparate
  • Pentoxifyllin
  • Diuretika (=harntreibende Arzneien)
  • Psychopharmaka
  • Antiepileptika
  • Antiemetika
  • Migränemittel
  • Langzeitbehandlung mit Cortison

 

Welche technischen Optionen gibt es zur Behandlung des chronischen Menière?
Der chronische Menière geht häufig mit einer bleibenden Hörminderung und einem Tinnitus einher. Zur Behandlung haben sich

  • Hörgeräte, zur Verbesserung des Gehörs und
  • Noiser (=Rauschgeräte), zum Überdecken der lästigen Ohrgeräusche,

als sehr hilfreich erwiesen.

 

 

Welche Operationen sind beim Morbus Menière möglich?
Mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, lassen sich die meisten Betroffenen erfolgreich behandeln. Für die therapieresistenten Schwindelanfälle stehen operative Verfahren bereit.
Merke: Durch die Operation lässt sich der Schwindel, nicht jedoch die Hörminderung und der Tinnitus behandeln.
Die chirurgischen Möglichkeiten beim Menière sind:

  • Paukenröhrchen: In örtlicher Betäubung wird in das Trommelfell, am betroffenen Ohr ein Schnitt gemacht. In diesen Schnitt wird ein Röhrchen zur Belüftung des Mittelohres eingelegt.
  • Paukenröhrchen und Kortison: Das Kortison wird über den oben beschriebenen Schnitt in das Mittelohr eingebracht. Es wirkt stark abschwellend.
  • Paukenröhrchen und Gentamicin: Vorgehen wie bei a. Durch das Paukenröhrchen wird ein Antibiotikum (=Gentamicin) eingebracht. Gentamicin zerstört die Zellen im Gleichgewichtsorgan, selten auch die Zellen des Hörorgans.
  • Sakkotomie: Bei der Sakkotomie wird der „Abflussweges" der Ohrflüssigkeit (=Saccus endolymphaticus) eröffnet und der Flüssigkeitsstaus (= Endolymphhydrops) im Innenohr beseitigt.
  • Durchtrennung des Gleichgewichtsnerves: Sollten die oben beschriebenen Methoden versagt haben kann der Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang durchtrennt werden. Die Schwindelanfälle werden zu 100% beseitigt.
  • Zerstörung des Gleichgewichtsorgans: Wenn alle andere Methoden versagt haben, eine hochgradige Hörminderung, bzw. Ertaubung und ein langjähriger, chronischer Verlauf vorliegen, so ist eine einseitige Zerstörung des Hör- und Gleichgewichtsorgans möglich.

 

Kontakt und Terminvereinbarung

Dr. Michael Henneken

Dr. Michael Sassenberg

Lagesche Str. 9-13
32657 Lemgo

 

Telefon: 05261/4960

Fax: 05261/4925

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